Scortchina

Scortchina ist bei mir aufgewachsen. Während ihr Brüderchen nie richtig groß wurde, weil er (vermutlich) an einer Stoffwechselkrankheit leidet, ist Scorchina besonders prächtig und sehr stolz. Das Leguanmädchen ist nun ungefähr 10 Jahre alt und somit der jüngste, aber auch der kräftigste Leguan im Leguangarten. Scortchina ist sehr friedliebend und geht der „Chefin“ Sina lieber aus dem Weg, obwohl sie selber deutlich kräftiger ist. Scortchina hält sich von dem üblichen Rangordnungsgerangel fern und betrachtet das „Genicke und Gefauche“ erhaben von ihrem Platz aus. Sie möchte eigentlich nur in der Sonne liegen und essen. Dementsprechend hat sie auch einen ziemlich runden Bauch. Schon als kleiner Leguan wollte sie unbedingt in den Leguangarten einziehen. Wahrscheinlich wusste sie schon damals, dass sie für ein Weibchen mal besonders groß werden wird. Zumindest hatte sie noch nie Angst vor anderen Leguanen oder auch vor Katzen die gelegntlich durch unseren Garten streunen. Wenn das Katzenfell nicht so an den Zähnen kleben würde, würde sie diese wahrscheinlich auch noch verspreisen!

Schon als Baby hat Scortchina beschlossen bei der Gruppe der „Großen“ einzuziehen und sich vom Garten aus immer wieder dort angeschlichen. Klein und frech, wie sie war, ist sie eines Tages durch das Gitter der Außenvoliere in den Leguangarten eingedrungen und einmal wurde ihr dies beinahe zum Verhängnis, denn einer von den großen Leguanen hat sie an mehreren Stellen gebissen und dort hat sie bis heute große Narben. An manchen Narben neigt sie zur Abszessbildung, die trotz mehrerer Operationen immer wieder neu kamen. Mittlerweile betrachten wir dies nur noch als kleinen „Schönheitsfehler“, denn es scheint sie nicht zu beinträchtigen. Solange es genug Essen und Sonne gibt, ist ihre Welt in Ordnung. Wenn jemals ein Leguan Flügel bekommen wird oder gar Feuer spucken sollte, dann diese stolze Dame! Ihr Bruder „Little Spike“ lebt noch immer außerhalb des Leguangartens in einem Terrarium, zusammen mit dem rachitischen Draco, mit der er sich sehr gut versteht.

Wahrscheinlich fange ich zu 25sten mal an, ein paar Worte über meine Scorchina zu schreiben. Es fällt mir sehr schwer, denn der dicke Kloß im Hals ist nicht hilfreich beim Zurückdenken und Schreiben. Leider musste ich meine „Dicke“ vor einigen Wochen einschläfern lassen. Wie zuvor schon bei Sina, brachte eine Erkrankung viele weitere gesundheitliche Probleme mit sich und obwohl die Tierärztin ihr Bestes gab, wäre es eventuell besser gewesen, das Mädel schon bei der ersten Erkrankung der Nieren zu erlösen. Ihre Nieren waren so stark vergrößert, dass Scorchina keinen Kot mehr absetzen konnte. Medikamente linderten zwar in der ersten Woche etwas, aber durch das Drücken beim Abkoten bekam sie zusätzlich noch einen Darmvorfall. Den Darm habe ich (anhand Anweisung der Tierarztpraxis) in Infusionslösung steril eingepackt und mich sofort auf den Weg zum Tierarzt gemacht. Die Tierärztin operierte den Darmvorfall. Das Problem schien zunächst gelöst und neue Hoffnung auf baldige Genesung entstand. Doch als dann die Ergebnisse der Blutuntersuchung da waren, stand fest, dass auch die Leber geschädigt ist. So kamen dann zu den bisher verabreichten Nieren- und Darmmedikamenten auch noch Infusionen.

Das war dann wohl des Guten zu viel. Zwei Wochen später ging ich an einem Morgen mit den ganzen Medikamenten auf mein Mädel zu und sah die Qual in ihren Augen. Ihr Körper war aufgequollen und schlapp. Da habe ich sie bei einem anderen Tierarzt erlösen lassen. Ein schwerer Schritt für mich, aber es war für Scorchina das Beste. Man kann das Leben eines Tieres nicht um jeden Preis und dem eigenen Egoismus zuliebe hinauszögern. Ein Tierarzt sagte neulich zu mir, als es um einen anderen Leguan ging, „in der Natur regelt sich vieles von selber, aber oft grausamer als wir denken oder wahrhaben möchten!“ Wie wahr! So ist es doch gut, dass wir die Wahl haben und ein Tier erlösen können, wenn es nicht mehr anders geht.

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