Aktuelle Diagnosen & Therapien

Infektion am Knochen

Little Spike hat seit kurzem eine Infektion am vorderen Fuß, die uns allen große Sorgen macht. Der behandelnde Tierarzt hat unter einer leichten Gasnarkose eine Probe vom infizierten Gewebe entnommen und ins Labor geschickt. Leider ist der vorhandene Erreger gegen die meisten Antibiotika resistent. Die Wenigen Antibiotika , gegen die der Erreger nicht resistent ist, können sehr starke Nebenwirkungen haben. Das wollten wir Little Spike nicht zumuten, da er auch schon rund 15 Jahre alt ist. Alternativ dazu könnte man den infizierten Teil des Fußes amputieren, doch auch das wäre bei Little Spike aufgrund der Lebensumstände (er verbringt fast den gesamten Sommer frei im Garten) nicht empfehlenswert. Nun bekommt er seit einigen Wochen homöopathische Medikamente, die zumindest die Entzündung eindämmen und lindern. Wie es weitergeht werden wir sehen.

Einige Knochen im linken Vorderfuss von Little Spike sind durch eine Infektion geschädigt (Pfeil).

Das Laborergebnis deutet auf einen hartnäckigen Erreger, der gegen viele Antibiotika resistent ist.

Abgestorbene Zehe

Anthony hatte kleine Abszesse an den Zehen, von denen sich einer stark infiziert hat. Beim Tierarzt bekam er ein Medikament, das helfen sollte das abgestorbene Gewebe abzustoßen. Nach zwei Wochen Behandlung ist die betroffene Zehe schwarz und trocken geworden. Nach weiteren 10 Tagen hat Anthonys Körper die nekrostische Extremität abgestoßen und der vordere Teil der Zehe ist abgefallen. Auf diese Weise konnte ene Amputation vermieden werden und Anthony wurde unnötiger Streß erspart. Auch in diesem Fall hat es sich wieder mal bewährt, frühzeitung einen Tierarzt aufzusuchen, der sich auf Reptilien spezialisiert hat. Denn diese relativ kleine Infektion hätte auch wesentlich schlimmere Folgen für den ganzen Fuß mit sich bringen können.

Nachdem die Zehe abgefallen war, wurde die Wunde an Anthonys Fuss noch ein paar Tage lang mit Pflaster geschützt.

Nach Infektion abgefallene Zehe

Allgemeine medizinische Hinweise

Die am häufigsten auftretenden Krankheiten und Verletzungen bei den in Menschenhand lebenden Iganiden sind Haltungs-, Pflege- und Fütterungsbedingt. In anderen Worten: Die meisten Leguane hätten erst keine Gesundheitsprobleme, wenn sie schon vom Schlupf an die optimale Pflege erhalten hätten. Es gibt auch so genannte Spätfolgen von Haltungsfehlern. Tiere die irgendwann einmal die falsche Ernährung bzw. Haltung erhalten haben können Jahre später noch an Gicht, Tumoren oder Krebs erkranken. Für den Laien ist es schwer bei einem erkrankten Tier die eigentliche Ursache festzustellen. Am besten sucht man sich einen Tierarzt, der sich auf Reptilienkrankheiten versteht. Aber alleine das ist schon schwierig, da solche Tierärzte selten sind.

Verletzungen

Diese lassen sich leider auch bei der besten Pflege nicht verhindern. Leguane klettern überall herum, kratzen sich an Ästen und schlagen sich an Ecken an. Werden mehrere Tiere gehalten, so gibt es ab und zu Auseinandersetzungen, die auch mal Kratzer und Bisswunden zurücklassen. Diese werden mit einem milden Antiseptikum (Betaisodona oder Rivanol) gereinigt.

Ein Verband kann ganz normal mit Pflasterband fixiert werden, allerdings löst sich diesese beim Baden ab. Ich verwende daher zum Fixieren von Verbänden an den Beinen oder am Schwanz auch oft Haargummis. Diese sind weich und schnüren somit das Tier nicht ein. Bei größeren Wunden müssen die betroffenen Glieder am Körper fixiert werden.

Hier wurde das linke Vorderbein eines Leguanes geröntgt, da er eine tiefe infizierte Wunde hatte. Die Wunde selbst ist hier nur schwer erkennbar, die Aufnahme zeigt aber, dass der Knochen unverletzt ist und auch die Gelenke in gutem Zustand sind.

Selinas Kopf von schräg unten betrachtet. Im Kiefer sind deutlich die Zähne erkennbar.

Parasiten

Außenparasiten, wie beispielsweise Milben oder Zecken, können mit bloßem Auge erkannt werden. Sie werden mit einer geeigneten Pinzette entfernt und das Tier in einer Providonjodlösung gebadet. Die Nasenlöcher und Ohren werden mit der selben Lösung mittels eines Wattestäbchens abgetupft, da sich auch hier Parasiten verstecken können. Wichtig ist auch, dass das Terrarium oder der Wohnraum, in dem die Leguane leben, gründlich mit einem Antimilbenmittel gereinigt wird. Dies muss in Abständen von wenigen Tagen über mehrere Wochen erfolgen, da aus den gut versteckten Milbeneiern bis zu 6 Wochen lang Nachwuchs ausschlüpfen kann. Es gibt auch noch die sehr wirksame Ivermectin-Methode zur Behandlung von Milben und Zeckenbissen. Diese ist verschreibungspflichtig und sollte unter größter Sorgfallt durchgeführt werden, da dieses Mittel bei bereits geschwächten Tieren schädliche Nebenwirkungen hat.

Leguane sind potentielle Salmonellenträger. Die Salmonellose ist eine hochansteckende Bakterieninfektion, die auch auf den Pfleger übertragen werden kann. Auch hier muss eine umgehende Behandlung erfolgen.

Desinfektion muss sein!!! Wurde ein Tier untersucht, behandelt, oder auch nur die Behausung der Echsen gereinigt, muss hinterher alles gründlich desinfiziert werden. Als Desinfektionsmittel sollten nur auf Wasserstoffsuperoxyd- oder auf Alkoholbasis hergestellte Mittel verwendet werden.

Laborbericht

Wie gesagt sollten neu hinzugekommene Echsen stets einer parasitologischen und bakteriologischen Untersuchung unterzogen werden. Nach dem Einsenden einer Kotprobe an ein entsprechendes Labor erhält man einige Tage später einen Laborbericht für den behandelnden Tierarzt. Aber auch bei infizierten ("eiternden") Verletzungen ist eine Laboruntersuchung hilfreich und kann bei der Auswahl geeigneter Antibiotika helfen.

Im nachfolgenden Beispiel hatte ich vorsorglich eine Probe aus Selinas Mundhöhle eingeschickt, da sie dort seit längerem eine Entzündung hatte.

Der Abschnitt "Mykologische Untersuchung" bezieht sich auf möglichen Pilzbefall. Hier ist die Untersuchung "negativ". Selina's Wunde wurde also nicht von einem Pilz ausgelöst und ist auch nicht von Pilzen befallen.

Die "Bakteriologische Untersuchung" ergab einen hohen Gehalt an Bakterien der Sorte "Escherichia coli", sowie "mucoid". Das letztere bedeutet einfach "schleimige Substanz" und hat in diesem Fall keine weitere Bedeutung.

Bei Escherichia coli handelt es sich um stäbchenförmige Bakterien. Von Escherichia coli gibt es pathogene oder fakultativ pathogene und apathogene Stämme. Als pathogen werden schädliche bzw. krankmachende Mikroorganismen bezeichnet, wobei die fakultativ pathogenen Erreger nicht in jedem Fall krankmachend sind, sondern nur bei geschwächten oder in der Immunabwehr herabgesetzten Personen zu einer Erkrankung führen. Apathogene Mikroorganismen verursachen dagegen keine Krankheiten und können sogar nützliche Funktionen haben. Die Bakterienart gehört zur natürlichen Flora des Dickdarms. Pathogene oder fakultativ pathogene Stämme von Escherichia coli können verschiedene Infektionen – einschließlich Wundinfektionen - verursachen.

Die apathogenen, also unschädlichen Stämme von Escherichia coli besiedeln den Darm und verdrängen damit andere Bakterien. Dadurch werden auch schädliche Mikroorganismen im Wachstum gehemmt, deren Vorhandensein im Darm eine häufige Ursache von Durchfall ist.

Nahrungsverweigerung

Dies wird meist durch Stress und zu niedrige Temperaturen ausgelöst. Oft leiden Leguane unter Stress, wenn sie die Behausung wechseln müssen oder sich durch Artgenossen belästigt fühlen. Dies kann durch genaues Beobachten der Tiere herausgefunden werden. Das gestresste Tier muss besonders warm gehalten werden und einen Sichtschutz erhalten. Das Futterangebot sollte möglichst bunt sein. Kräftige Farben (Löwenzahnblüten, Karotten, Paprika und Zucchini) regen nach meinen Beobachtungen bei Leguanen den Appetit an. Auch Vitamin B wirkt appetitanregend, darf aber nur in geringer Dosis verabreicht werden.

Legenot

Auch bei einer Legenot verweigert ein Leguanweibchen die Nahrung. Eine Legenot tritt dann ein, wenn der Eiablagetermin überschritten wurde, das Weibchen scheinbar wieder „normal“ ist und dann nach einigen Tagen die Nahrung komplett verweigert. Das betroffene Tier sitzt dann meist apathisch, mit gekrümmtem Rücken da. Normalerweise kann man die Eier am Bauch ertasten und so eine Trächtigkeit feststellen. Ansonsten kann der Tierarzt auch anhand eines Röntgenbildes die Eier und deren Zustand in der Bauchhöhle sichtbar machen. Eine Therapie bei akuter Legenot sollte nur mit Hilfe eines fachkundigen Tierarztes erfolgen. Dabei wird das Tier über mehrere Tage in 30° - 36° Grad warmem Wasser gebadet. Aber Achtung, die Temperatur darf 40° nicht überschreiten, da dies nur kurz vertragen wird. Wenn diese sanfte Maßname nicht erfolgreich ist, muss Oxytocin verabreicht werden. Dieses Medikament wird auch in der Humanmedizin zur Geburtshilfe eingesetzt. Beim Leguan wird Oxytocin als 1 I.E./kg Körpergewicht subcutan oder intramuskulär gespritzt. Das führt meist innerhalb von 2 Stunden zum Erfolg. Um sicher zu sein, dass kein Ei in der Bauchhöhle zurückbleibt, sollte nach der Eiablage geröntgt werden. Können die Eier trotz dieser Versuche nicht abgelegt werden hilft nur noch ein chirurgischer Eingriff. Nach der operativen Entfernung der Eier muss das Muttertier sorgfältig nachbehandelt werden. Das Gelege kann meist trotzdem noch erfolgreich im Brutkasten ausgebrütet werden.

Vorfall des Hemipenis

Bei den Männchen können Entzündungen am Kopulationsorgan auftreten. Diese entstehen meist durch Verletzungen oder Harnablagerungen. Wenn ein Männchen sich beim Abkoten zu sehr anstrengt, kann es ebenfalls zu einem Vorfall des Hemipenis und damit verbunden oft zu einer sekundären bakteriellen Infektion (Entzündung) kommen. Der Hemipenis wird vom Tierarzt wieder mittels eines Gleitmittels in die Kloake zurückgeschoben. Zur Nachbehandlung wird täglich Antibiotische Salbe in die Kloake eingestrichen.