Erasmus

Ostersonntag 2008 - ein harmloser Besuch im örtlichen Tierpark bescherte mir ein abgemagertes Leguanmännchen. Aufgefallen ist er mir dort schon öfters, weil er außergewöhnlich groß war. Auch dass er zeitweise aus dem Tierpark verschwunden war, bemerkte ich.

Wie ich später erfahren hatte, war er wohl krank geworden und zog daher bei einer Tierparkangehörigen zuhause ein. Dort wurde er gepflegt, aber leider ist die Dame dann verstorben und das Tier landete geschwächt wieder im Tierpark, wo er durch Artgenossen massiv gestresst wurde. Auch der Versuch, ihm ein separates Zuhause im Tierpark einzurichten, blieb erfolglos. Er wollte einfach nicht mehr essen.

An jenem Ostersonntag brachte ich dann „Leguanleckereien“ mit in den kleinen Tierpark, aber die hat der große Leguan verschmäht und blieb stattdessen müde in meinen Armen liegen. „Wollen Sie ihn nicht mitnehmen?“, fragte mich der „Chef“ des Tierparks, der meine Echsengeschichten kannte. Eigentlich wollte ich keine weiteren Leguane mehr aufnehmen, aber 30 Minuten später lag der große Leguan aus dem Tierpark in einem warmen Bad in meinem Leguangarten.

War die Entscheidung richtig? Jede Stunde versuche ich ihm Kamillentee und Karottenbrei zu geben. In der Nacht stand ich mehrmals auf und sah nach, ob alles in Ordnung war. Auf den Kletterästen zu schlafen, war zu gefährlich für den schwachen Leguan. Also lege ich das Tier über zwei gegenübergestellte Stühle und hoffe, dass er dort bleiben würde.

Am 5. Tag war er schon ein bisschen kräftiger. Tagsüber lag er dann auf einem Ast unter einer Rotlichtlampe, wie es sich für einen Leguan gehört. Inzwischen nahm er auch halbfreiwillig Nahrung auf und verließ das Wasserbecken alleine, wenn er genug vom Baden hatte. Er versuchte jetzt auch zu klettern. Nun hatte ich Hoffnung und nannte ich ihn „Erasmus“ (der „Liebenswerte“).

Einen Tag später schien die Sonne, aber Erasmus Angst vor seinen Artgenossen bleibt. Im Gegenzug wird Erasmus von den Bewohnern des Leguangartens gemieden. Er ist ziemlich groß und das hält sogar das Alphatier Sina davon ab, ihn anzunicken. Außer Rhinolopha - sie hatte sich heute in ihrer „Futternot“ an Erasmus angeschlichen und ihm den Feldsalat geklaut, der immer vor ihm steht, falls er doch noch Appetit bekommt.

Als Rhinolopha so dicht bei ihm war, ist er mir bei nächster Gelegenheit auf den Arm geklettert und hat sich wie verrückt an mich gedrückt. Seine Angst vor den anderen Leguanen sollte er bald überwinden, denn ich konnte ja nicht den ganzen Tag „Leguanbaum“ spielen.

4 Wochen später, war Erasmus soweit in Ordnung, dass er selber gegessen hat und seinen Platz in der Leguangruppe akzeptierte - sich aber immer noch ohne andere „Echsen“ sichtlich wohler fühlte. So durfte er, wenn es mein Tagesablauf zuließ, bei mir im Büro, Wohnzimmer oder Garten „herumhängen“.

Erasmus war nun 5 Jahre bei mir und hatte eine eigene Liege im Garten, sowie viele schöne „Sonnenstunden“. Er war sehr ruhig und friedliebend und wenn er sich im Leguangarten aufhalten musste, suchte er besonders die Nähe der alten Madlene. Doch leider war er noch mehr auf mich fixiert und sobald ich in der Nähe war, hatte er nur Augen für mich.

Im Garten legte er sich immer in Sichtweite von mir und lief mir auch oft hinterher. Leider war er oft krank und musste auch zweimal an Kiefer und Nase operiert worden. Bei einer dieser OPs hatte er einen Herzstillstand, wurde von einer tapferen Tierarzthelferin wieder belebt. Später musste er wieder wochenlang gefüttert und aufgepäppelt werden. Eine Fehldiagnose brachte ihm unnötiges Leid, aber mit Hilfe der Reptilienauffangstation in München fanden wir endlich eine Tierärztin, die in den letzten Monaten noch Gutes für ihn tun konnte. Mit Echsen zum Tierarzt, das ist auch ein Thema für sich!

Erasmus ist kürzlich friedlich in meinem Arm gestorben und ich bin noch immer sehr traurig. Ein großer Verlust für mich, denn meinen Erasmus hatte ich sehr ins Herz geschlossen. Vielleicht grade, weil er fast ständig ein Pflegefall war und besondere Ansprüche stellte und deshalb eine sehr enge Bindung da war. Egal wo im Haus oder im Garten, er fehlt einfach. Trotzdem bin ich für jede Stunde dankbar und sehe sogar die Zeiten, die ich ihn pflegen und aufpäppeln musste, positiv. Für mich steht fest, dass ich jederzeit wieder so einem schweren Fall wieder eine Change geben würde!

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